Bericht 70 Jahr Feier Kreisjugendring Rosenheim

Am 11. Oktober feierte der KJR Rosenheim sein 70-jähriges Bestehen in Neubeuern

Mit einem launigen Rätsel begann Vorsitzende Erika Spohn ihre Rede anlässlich der Jubiläumsfeier. Zuvor hatte sie Gäste, Delegierte, Freunde und Aktive in der Jugendarbeit herzlich begrüßt, darunter auch zahlreiche politische Prominenz.

Besonders freute es sie, dass unter den Gästen viele ehemalige Vorstandsmitglieder und Jugendring-Vorsitzende weilten. Doch Freud und Leid liegen oft nahe beieinander und so gedachten alle, dem erst vor kurzem verstorbenen direkten Vorgänger Walter Mayr, allen Verstorbenen des Kreisjugendringes Rosenheim und allen, die in einer Verbindung zum Kreisjugendring gestanden hatten.

In ihrer Festrede blickte die Vorsitzende Erika Spohn auf den geschichtlichen Hintergrund zurück, ließ die vielfältigen Projekte und Aktionen Revue passieren und malte ein buntes Bild vielfältiger Aktionen und Tätigkeiten des KJR. Stolz ist sie auf die seit 2015 bestehende Koordinierungsstelle „Schulbezogene Jugendarbeit“, wodurch Vereine die Möglichkeit haben ihre Arbeit an Schulen zu präsentieren. Ein Projekt das zurzeit einzigartig in Bayern ist. Aktuell läuft hier ein Filmprojekt. Auch werden Tutorenschulungen und Projektstunden für Grundschüler angeboten.

Seminare und Fortbildungen für die Mitgliedsverbände nehmen einen breiten Raum im Jahresplan des Kreisjugendrings Rosenheim ein und mit Rosenheims Partnerstadt Beer Sheva gibt es seit Jahrzehnten einen Jugendaustausch. Alljährlich im November wird beim Jugend-Hoagascht jungen Musikern und Sängern eine Plattform für ein breites Publikum gegeben.

Auch vergaß sie nicht, sich bei allen zu bedanken, die Jugendarbeit in der genannten Form erst möglich manchen: beim Landkreis und dem Landrat, den ehemaligen ehrenamtlich Aktiven des Kreisjugendringes und ihrem jetzigen Vorstand. Ebenso bei ihrem hauptamtlichen Team im KJR-Büro und der bisherigen, langjährigen Geschäftsführerin Renate Fischer.

Festredner Winni Pletzer, als ehemaliger Begleiter des KJR, betrachtete den Kreisjugendring von der geschichtlichen und jugendpolitischen Seite.

Vor 70 Jahren schlug die Stunde der Jugendgruppen und Jugendverbände, die Stunde der Zusammenarbeit und des Anknüpfens an die demokratisch gesinnten Organisationen vor dem Nationalsozialismus. Man beschritt neue Wege in der Jugendarbeit, indem von Anfang an auf demokratisch organisierte, von staatlichen Stellen unabhängige freie Zusammenschlüsse (örtliche Jugendkomitees), bzw. Kreisjugendausschüsse oder 1947 mit Gründung des Bayerischen Jugendringes und auch des Kreisjugendausschuss Wasserburg mit einer Jugendsatzung gesetzt wurde.

1948 nahm der KJR Rosenheim zu einer Jugenddemonstration in München Stellung und unterstützte das Anliegen: Es ging um die Erhöhung der Fleischrationen auf 600 Gramm pro Monat! Ein weiterer historischer Wendepunkt war im Januar 1962 die Trennung von KJR und SJR Rosenheim und im Juni 1973, als die Kreisjugendringe Wasserburg und Bad Aibling in den KJR Rosenheim eingingen.

Pletzer erinnerte sich an den tumultartigen Verlauf der Vollversammlung im März 1976: Eine neue Satzung und eine neue Geschäftsordnung sollten die Einführung des Verbandsvertretungsprinzips statt Gruppenprinzip ermöglichen. Der KJR steht als Beitrag zur Demokratischen Grundstruktur, da hatte es auch keinen Zweck mehr, wenn 1958 der Kreisheimatpfleger den KJR Bad Aibling als „Tarnorganisation zur Verbreitung und Vertiefung artfremder und anti-heimatlicher Auffassungen“ oder 1973 der CSU-Ortsvorsitzende von Wasserburg die Jugendzentrumsbewegung als „eine Art sozialistische Weltverschwörung mit Langzeitwirkung“ bezeichnete.

Auch legte Pletzer den Finger in die Wunde, wies auf damals wie heute strukturelle Mängel hin und auf die früher, geringe Förderung für die freie Jugendpflege: damals ging es um 500 DM beim KJR Rosenheim.

Während die Professionalisierung beim Stadtjugendring Rosenheim bereits 1983 begann, siedelte er diesen Schritt für den Kreisjugendring Rosenheim erst 32 Jahre später mit der Einführung der Koordinierungsstelle „Schulbezogene Jugendarbeit“ 2015 an. Er beschloss mit einem Aufruf und Bitte zur weiteren Zusammenarbeit, Selbstorganisation und Eigenständigkeit der Jugendarbeit in den Jugendringen.

Sein Fazit: „Die Jugendring-Idee muss man feiern!“

Charmant überbrachte die stellvertretende Landrätin Marianne Loferer das Grußwort des Landkreises, in dem sie auf die starken Wurzeln des Kreisjugendringes – die sich in sieben Jahrzehnten gebildet haben – vertraute: „Wurzeln geben Halt: Die des Bayerischen Jugendrings bildeten sich im Jahr 1947, als nach den Schrecken des nationalsozialistischen Terror-Regimes neues demokratisches Leben keimte. Vielfalt, Solidarität, Völkerverständigung, Gerechtigkeit, Partizipation – das sind die Grundwerte des BJR, auf deren Basis er zu seinem 70. Jubiläum den Blick in die Zukunft richtet. Und darauf baute auch der Kreisjugendring Rosenheim seine Basis 1948. Bleiben Sie engagiert, denn die Herausforderungen werden Ihnen auch zukünftig nicht ausgehen.“, so Frau Loferer.

Auch die gastgebende Gemeinde, in Person des Bürgermeisters Hans Nowak, sprach ein Grußwort und überbrachte Glückwünsche. Franz Steiner führte routiniert und koordinierend durch den Abend. Da gemeinsames Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhalten und das Miteinander fördern, hatte Wirt Fritz Vornberger ein appetitliches Büfett aufgebaut.

Als künstlerisches Schmankerl wussten die Neurosenheimer allerhand über den Kreisjugendring und dessen Vorstandschaft zu erzählen – schön verpackt in ihre Musik. Die drei „Zammagwürfelten“ umrahmten mit schneidigen Stückerln den Abend.

Eine Fotoreise durch 70 Jahre KJR Rosenheim war im Treppenhaus und den liebevoll geschmückten Tischen aufgebaut und der gelbe Kreisjugendring-Teppich kam erstmals zum Einsatz.

In ihrer Verabschiedung dankte Spohn dem Organisationsteam für die perfekte Vorbereitung dieses gelungenen Abends und bedankte sich im Namen des Kreisjugendrings für die freundlichen Geschenke und Mitbringsel der Gäste.

Text: Erika Spohn, Vorsitzende

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